Kim Winter - Interview mit Julie (Februar 2012)

 

 

Feathergames: Sternenschimmer ist ein Buch, welches Romantik und doch auch ein wenig Fantasy und Science-Fiction enthält. Wie kamst Du zu dieser Mischung und was gefällt dir daran? 

 

Kim  Winter: Ich mag Facettenreichtum, deshalb schreibe ich auch so. Die Welt ist so schön bunt und ich finde, das darf sich ruhig in Büchern widerspiegeln. Zunächst hatte ich aber gar nicht geplant, einen SciFi- oder Fantasyroman zu schreiben. Ich wollte nur das Aufeinanderprallen von Kulturen als Thema behandeln. Also begann ich, dahin gehend zu recherchieren. Aber schon bald wurde mir klar: Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich könnte mir viele Infos über eine andere Kultur anlesen, das impliziert aber noch lange nicht, dass ich sie wirklich verstehe oder erfühle. Genau das brauche ich aber, um darüber zu schreiben. Deshalb beschloss ich, eine ganz neue Kultur zu entwerfen und sie Außerirdischen zuzuschreiben. So entstand also zunächst einmal die Idee und ich brachte sie als grobes Konzept zu Papier. Dann machte ich mich ans Schreiben. Und das läuft folgendermaßen ab: Es ist wie ein Mosaik, das sich zusammensetzt. Ich beginne eine Szene, die in meinem Kopf herumspukt. Ihr entspringt meist eine weitere Szene, die darauf aufbaut. Ob sich diese dann aber direkt an die vorhergehende Szene anschließt, bleibt zunächst offen. Ich schreibe immer das, was ich mir gerade vorstellen kann. Erst später ordne ich alles, setzte es an seinen richtigen Platz und fülle die Lücken aus. 

 

Feathergames: Woher nimmst Du die Inspiration zum Schreiben?

 

Kim Winter: Aus allem, was die Welt bietet. Ich beobachte sehr viel und spinne Situationen oder Geschehnisse in meinem Kopf weiter. Manchmal muss ich aber leider auch auf Ideen warten. Das ist dann eine harte Geduldsprobe. Aber irgendwann laufen sie mir dann auf ganz unterschiedliche Weise über den Weg.

 

Feathergames: Du hast bestimmt von Deinem Verlag aus einen Lektor. Bekommst Du nur von jenem Hilfe, oder unterstützen Dich Deine Familie und Freunde auch dabei? Wie stehen sie dazu?

 

Kim Winter: Ich habe eine wundervolle Lektorin. Zudem betreut mich meine Agentin während des gesamten Schreibprozesses immer sehr eng. Ohne sie wäre ich mit Sicherheit schon oft in böse Krisen gerutscht. Aber sie glaubt an mich und das holt mich immer wieder hoch. Und was meine Familie und meine Freunde angeht: ohne ihre Unterstützung wäre ich heute längst nicht da, wo ich bin.

 

Feathergames: Hast Du außer Sternenschimmer noch andere Werke veröffentlicht? Wenn ja, welche?

 

Kim  Winter: Sternenschimmer ist mein Debut. Aber ich habe noch ein Werk in meiner Schublade, das ich sehr gern mag. Dieses vorzustellen, wird, so denke ich, mein nächstes Projekt sein, sobald ich die Sternentrilogie beendet habe.

 

Feathergames: Erst vor ein paar Wochen hast Du die Schreibarbeiten zu Sternensturm, dem zweiten Band Deiner Reihe, beendet. Wird es einen dritten Band geben oder arbeitest Du an einem neuen Projekt?

 

Kim Winter: Ups, jetzt habe ich mit meiner vorhergehenden Antwort dieser Frage vorweggegriffen. Also, ja, es wird einen dritten Teil geben.

 

Feathergames: Du schreibst, du lebst mit der „Schreibsucht“. Hast Du noch andere Hobbys? Bist Du hauptberuflich Autorin?

 

Kim Winter:Ja, ich bin hauptberuflich Autorin und es gibt immer wieder Phasen, in denen ich mich so gut wie nicht von meinem Text losreißen kann. Dann mache ich folglich auch kaum etwas anderes. Aber eigentlich bin ich ein Mensch mit vielen Interessen. Ich bin oft mit unserem Hund in der Natur unterwegs, reite und jogge gern und für ein gutes Buch lasse ich jeden Film sausen. Wann immer es mir möglich ist, verbringe ich Zeit mit meiner Familie und Freunden, was in letzter Zeit leider viel zu kurz kommt.

 

Feathergames: Hast Du ein bestimmtes Lieblingsbuch oder einen Lieblingsautor?

Kim Winter: Puh, das ist immer eine schwere Frage, da es so viele tolle Bücher gibt. Zunächst einmal, ich lese querbeet alles, wasmir in die Finger kommt. Außer Science-Fiction-Romane, in die Richtung schreibe ich lieber. (lächelt)

Aber um meinen Geschmack mal etwas einzugrenzen: Ich bin ein großer Fan von Markus Zusaks Büchern. Insbesondere sein Debut Wilde Hunde hat mir außerordentlich gut gefallen. Als Kind war mein absolutes Lieblingsbuch Zeraldas Riese von Tomi Ungerer. Ich weiß nicht, wie oft ich das schon geklebt habe, weil es so zerfleddert ist. Mein Lieblingsklassiker ist Das Bildnis des Dorian Gray und wenn es um moderne Literatur geht, würde ich Ich und die anderen von Matt Ruff als eines meiner Lieblingsbücher bezeichnen. Als unschlagbar galt für mich bisher immer Astrid Lindgren, aber dann las ich kürzlich etwas von einer Autorin, die mich nicht nur überzeugt sondern dermaßen begeistert hat, dass sie im Sturm auf meiner Top Ten Liste ganz nach oben gejagt ist. Es handelt sich um das Kinderbuch Die Penderwicks geschrieben von Jeanne Birdsall.

 

Feathergames: Was kannst Du angehenden Autoren empfehlen? Hast Du Tipps, wie man sich am besten auch immer wieder motivieren könnte?

Kim Winter: Es gibt sicherlich einige Wege. Ich will diese Frage mal aus meiner Sicht beantworten. Wichtig sind: ein starker Wille und Durchhaltevermögen.

Kritik ist kein Angriff sondern oft eine Hilfe. Was nicht immer bedeutet, dass ihr sie genau so, wie es euch vorgeschlagen wurde, umsetzen müsst, aber nehmt sie ernst und durchdenkt sie gründlich. Oftmals kommt dabei etwas Gutes heraus und ihr entwickelt euch weiter.

Schreibt nie für den Erfolg oder um das große Geld zu verdienen. Da kommt ihr mit vielen anderen Jobs besser bei weg, die gleichzeitig auch weniger Arbeit bedeuten. Schreibt für euch. Schreibt, weil es euch ein tiefes Bedürfnis ist. Wer den Lohn für das Schreiben und die vielen Stunden, die er damit verbringt, in seinem Inneren finden kann, der hat schon mal eine wichtige Basis, auf die sich gut etwas aufbauen lässt. Das klingt jetzt vielleicht alles etwas hart, aber es ist auch ein harter Job, den man wirklich wollen muss.

Um Schreibblockaden vorzubeugen, surfe ich neuerdings gern auch mal in YouTube herum, ich höre Musik und betrachte mir Bilder. Und wenn der Kopf dann trotzdem einfach nichts Produktives mehr hervorbringt oder ein Satz so überhaupt nicht werden will, dann lasst ihn liegen und geht eine Runde Spazieren, treibt Sport oder unternehmt irgendetwas anderes, das euren Kopf wieder frei werden lässt. Das kostet etwas Überwindung, weil man ja gerade mit dem Text vorankommen will, aber es macht keinen Sinn sich festzubeißen.

Um neue Inspirationen für Bewegungsabläufe oder Eigenarten der Charaktere zu bekommen, suche ich gern Orte auf, wo möglichst viele Leute sind. Dort beobachte ich dann und schreibe sie in mein Notizbuch. Ab und zu wird man dabei zwar etwas irritiert gemustert oder gar als Spanner abgestempelt, aber wie sagt man so schön: Der Zweck heiligt die Mittel.

Wenn euer Werk dann fertig ist und von ein paar Testlesern für gut befunden wurde, ist der nächste Schritt die Suche nach einer Agentur, da diese die entscheidenden Kontakte zu den Verlagen besitzt. Gerade als Newcomer halte ich es für sehr schwer, um nicht zu sagen: nahezu aussichtslos, ohne AgentIn an die Verlage heranzutreten. Wichtig zu erwähnen wäre hier noch: Eine seriöse Agentur verlangt zwischen zehn und zwanzig Prozent des Verdienstes, sie fordert nichts vorab!

Aber wie gesagt, so handhabe ich es, das ist kein Patentrezept. Jedenfalls drücke ich jedem, der eine Autorenlaufbahn einschlagen will, ganz fest die Daumen. *Drück*

 

Feathergames: Hast Du abschließend noch eine Nachricht an unsere Fans?

 

Kim Winter: Ihr seid einfach die tollsten und besten und cleversten und liebevollsten und humorvollsten und überhaupt ALLES-Fans, die man sich wünschen kann. Meine Arbeit an Sternensturm war sehr intensiv und kräftezehrend, aber wenn ich auf meine Facebook-Seite geklickt habe, war das immer wie ein neuer Energieschub. Ich wusste, da draußen seid ihr, die Sternensturm gern lesen wollen und das gab mir Antrieb. Ich hoffe, ich kann euch mit Sternensturm wenigstens einen Teil dessen zurückgeben, was ihr mir gebt.

Vielen, vielen Dank.

 

Schimmernde Grüße

eure Kim

 

Feathergames: Wir danken dir ganz herzlich für das lange, informative Interview!