Interview mit Raiko Oldenettel - Julie (Oktober 2013 - BuCon Special)

 

Dieses Interview führte Julie live auf dem BuchmesseConvent 2013 in Dreieich.

 

 

Feathergames: Du schreibst Science Fiction. Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

 

Raiko Oldenettel: Es war eine Vorgabe von meinem Verlag selbst. Ich sollte einen Thriller mit Sci-Fi schreiben. Ich hab gesagt, das ist eine schöne Idee, weil man damit Rahmenbedingen erzeugt, die anders sind als das, was bereits auf dem Markt existiert. Ich habe einfach ein bisschen überlegt, was die Probleme sind, die wir gerade haben, und wie die eskalieren oder nicht gelöst werden können und dann ist mir die Idee gekommen, die auch schon vielen anderen Sci-Fi Autoren gekommen ist: Eine Stadt wird als Ballungsraum in der Zukunft benutzt. Das heißt, wir ziehen uns zurück und müssen uns neu organisieren und das macht man in einer grosse Anlage. Gut, ich studiere Kunsthistorik und habe viel mit der europäischen Geschichte zu tun. Immer wenn das passiert ist, hat es sich so ergeben, dass es den Adel, die Bürger und das Fußvolk gab. So wird es auch in „Adhelion“ sein.

 

Feathergames: Ist das dein erster Roman oder hast du bereits weitere geschrieben?

 

Raiko Oldenettel: Das ist nicht mein erster Roman, sondern mein vierter. Die anderen drei sind aber nicht veröffentlicht.

 

Feathergames: Das ist eine Serie, nicht wahr?

 

Raiko Oldenettel: Genau, das ist jetzt ein ganz neues Format. Und zwar gibt es ja schon sehr erfolgreiche Serienromane, auch vornehmlich in Österreich. Man sieht es ja an Perry Rhodan, der über Jahre eine große Anhängerschaft hat, und der Residenzverlag hat sich jetzt in seinem neuen Programm „jiffy stories“ zur Aufgabe gemacht, dieses Format in das neue Zeitalter zu katapultieren, also das eBook serienfähig zu machen. Ich glaube, das machen sie sehr gut.

 

Feathergames: Wieviele Teile wird es geben? Steht das schon fest, oder ist das offen?

 

Raiko Oldenettel: Das Buch ist geschrieben, es sind 360 Seiten, zu je dreißig pro Kapitel. Demnach werden zwölf Folgen erscheinen.

 

Feathergames: Hattest du beim Schreiben deines Buches auch Schreibblockaden?

 

Raiko Oldenettel: Ja, eine ganz große, und zwar ist es im Thriller relativ wichtig, den Leser auf eine falsche Fährte kommen zu lassen. Bei mir war eben diese ein ganz großes Problem. Als ich dann aber wirklich darauf gekommen bin, wie ich diese andeuten kann, ohne meine Hauptgeschichte zu verbomben, ging es wie von selbst. Das hat eine gute Woche gedauert.

 

Feathergames: Du hast eine Freundin, die ebenfalls schreibt. Ist das eher positiv oder negativ?

 

Raiko Oldenettel: Es ist sehr positiv für das Arbeitsumfeld, weil man jemanden hat, der Rücksicht nimmt auf das, was man tun muss – eben zwei, drei Stunden komplett abtauchen und schreiben - und keine Schelte dafür erntet, dass man in drei Monaten 360 Seiten schreibt.

 

Feathergames: Das heißt, du hast deinen ganzen Roman innerhalb von drei Monaten geschrieben?

 

Raiko Oldenettel: Richtig. Mit Lektorat, Korrektorat etc.

 

Feathergames: Wie bist du zu dem Verlag gekommen?

 

Raiko Oldenettel: Das war ganz interessant. Es gab in Deutschland und Österreich eine Ausschreibung, die vornehmlich an den Universitäten getätigt wurde. Ich bin über Ecken da rangekommen. Es gab mal wieder jemanden, den jemanden kannte und der kannte jemanden, der mich mal gesehen hat. Dann habe ich mich getraut. Ich hatte zuerst ein wenig Bammel, aber als die Resonanz gekommen ist, war ich ganz froh, das gemacht zu haben.

 

Feathergames: Was war das für ein Gefühl, als du deine Zusage bekommen hast?

 

Raiko Oldenettel: Ich kenns ja mittlerweile von vielen Kollegen. Es war eine Mischung aus „Yay, es hat geklappt“ und „Oh, jetzt muss ich arbeiten“.

 

Feathergames: Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

 

Raiko Oldenettel: Das ist eine der Fragen, die man immer gerne stellt - und man hofft immer, dass einer der Autoren eine ganz wunderbare Antwort darauf findet. Tatsächlich war ich sehr früh in der Lage, zu schreiben und zu lesen, das war meiner Mutter immer ganz wichtig. Folglich hatte ich auch freien Zugang zum Regal meiner Eltern, ja, leider auch zu den bösen Büchern. Ich hab mir nachts da gerne was rausgeholt, das sehr gruslig war. Ich hatte immer das Gefühl, dass man in das, was man schreibt, viel tiefer hineinsinken kann als in das, was man liest. Ich habe in der vierten Klasse die erste Kurzgeschichte geschrieben. In der 5. Klasse gab es sogar eine Kurzgeschichten-Schreiben AG, da konnte ich mir nicht mit einer Nähmaschine über die Hand nähen, deswegen hab ich das gemacht - das war ganz praktisch. Das war eine schöne Erfahrung, da ich viel Lob bekommen habe. Viel zu verdanken habe ich auch meinen Eltern und meinen besten Freunden, da sie ähnlich darüber gedacht haben.

 

Feathergames: Was hast du für Tipps für Autoren, die zum Beispiel einen Verlag suchen?

 

Raiko Oldenettel: Seid demütig angesichts eurer Leistung und gegenüber dem, was bereits existiert. Denkt nicht, ihr müsstet das Rad neu erfinden, sondern lernt das Handwerk. Schreiben ist zu einem Gutteil auch Handwerk. Richtig talentierte Leute gibt es nur zu einem kleinen Prozentsatz. Geduld ist die zweite Tugend, die man haben sollte. Wenn der Verlag sich nach drei Wochen nicht gemeldet hat, dann heißt das nicht, dass er einem nicht nimmt – es kann auch nach einem halben Jahr oder einem Jahr eine Anfrage kommen. Und im Umgangston immer höflich bleiben!

 

Feathergames: Hast du zum Schluss noch irgendwas zu sagen?

 

Raiko Oldenettel: Ja, ich finde es toll dass ihr den Blog macht - Ich hab ja schon viel gehört von den anderen Kollegen. Ihr seid noch so jung und ihr wachst da gerade in dieses Business rein – ich wünsche euch viel Erfolg. Das ist etwas, das unsere Generation (wir sind ja relativ nah zusammen) machen muss, das Internet beherrschen und zeigen, was man damit machen kann. Das macht ihr auf jeden Fall ganz gut.

 

Feathergames: Vielen Dank für das Interview!

 

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