Claudia Kociucki - Julie (Oktober 2013 - FBM Special)

Claudia Kociucki
Claudia Kociucki

 

 

Feathergames: Du sagst, dass der Entstehungsprozess einer Geschichte dich besonders gefangen nimmt. War das von Anfang so oder kam das erst mit der Zeit?

 

Claudia Kociucki: Ich schreibe erst seit zwei Jahren und ich bisher nur Kurzgeschichten, keine Romane. Da ist das immer so, dass ich einfach anfange und schaue, wohin sich das entwickelt. Hinterher komponier ich die Struktur um oder lasse es so.

Manchmal hab ich eine Idee für eine Pointe, fang an und gucke, was daraus wird.

 

Feathergames: Das heisst, du schreibst  komplett ohne Plot, nur mit einem Thema?

 

Claudia Kociucki: Genau.

 

Feathergames: Du lässt dich von alltäglichen Ereignissen und Gesprächen inspirieren. Baust du die 1:1 in deine Geschichten ein oder mischst du das ein wenig?

 

Claudia Kociucki: Ich misch das, ansonsten hätte ich auch keine Freunde und Familie mehr, wenn ich das alles 1:1 einbauen würde. Ich verfremde oder vermische die Personen, sodass man das hinterher nicht mehr ganz nachvollziehen kann.

 

Feathergames: Du hast dein Herz nicht nur deiner Familie und deiner jetzigen Heimat verschrieben, sondern auch Portugal. Wie kam es eigentlich dazu?

 

Claudia Kociucki: Ich habe Sprachlehrforschung studiert, das ist alles was mit Lehren und Lernen von Sprachen zu tun hat. Ich wollte eine Sprache dazunehmen, die nicht jeder spricht und da hab ich auf die Landkarte von Europa geguckt, ganz nach außen und dachte mir „Joa, Portugal ist ein kleines Land, die Sprache kann keiner“ und da habe ich mich eingeschrieben, ohne dass ich je ein Wort gehört habe oder da war. Und das war dann sofort die große Liebe. Ich habe in Lissabon ein Stipendium bekommen und fuhr so ein paar Mal durchs Land. Es hat gepasst, ich fühle mich einfach wie zu Hause wenn ich da bin.

 

Feathergames: Fiel es dir leicht die Sprache zu lernen?

 

Claudia Kociucki: Ich konnte vorher Französisch und Spanisch und da ging das relativ schnell.

 

Feathergames: Du schreibst Kurzgeschichten, Romane, Kinderbuchreihen, Lyrik und Songtexte – das ist ganz schön vielfältig. Wird dir das manchmal nicht zu viel, immer hin und herzuswitchen?

 

Claudia Kociucki: Ich hab bisher in den zwei Jahren hauptsächlich Kurzgeschichten geschrieben. Das mit den Gedichten war von der Schulzeit, das kennen viele, wenn man Liebeskummer hat oder wenn es einem gut geht sprudelt ein Gedicht heraus. Das ist aber nicht professionell. Mit den Songtexten hatte sich das so ergeben bei dem Weltpostkartentag. Da hab ich einen Songtext genommen, den ich für eine Portugallesung gemacht habe. Ich habe eine Rock-Pop Sängerin, die ich sehr gut finde und auf den einen Song, der mir sehr gefällt habe ich zu meinem Thema einen Songtext gemacht.

 

Feathergames: Was ist denn das für eine Sängerin?

 

Claudia Kociucki: Mafalda Veiga.

 

Feathergames: Hast du in deinen zwei Jahren Schreibkarriere auch Schreibblockaden erlebt?

 

Claudia Kociucki: Nein.

 

Feathergames: Hast du denn Situationen erlebt, in denen dir wirklich gar nichts mehr eingefallen ist?

 

Claudia Kociucki: Wenn mir gar nichts mehr einfällt, mache ich etwas, das nichts damit zu tun hat zum Beispiel Hausarbeit. Mir fallen ganz viele Dinge beim Autofahren ein. Ich fahr morgens zur Arbeit und hör kein Radio oder Musik sondern denke über meine Geschichten nach. Da plotte ich dann im Kopf vor.

 

Feathergames: Schonmal einen Unfall gebaut?

 

Claudia Kociucki: Nein. (Gelächter) Da wo ich entlang fahre ist jeden Morgen Stau.

 

Feathergames: Was ist dein Zielpublikum?

 

Claudia Kociucki: Also ich schreibe zum Einen satirische Sachen und zum Anderen poetische Belletristik. Ich schreib also sehr viel mit Wortspielen und Wortwitzen. Ich sag mal so ab 16.

 

Feathergames: Hast du zukünftige Projekte?

 

Claudia Kociucki: Ich schreibe gerade mit drei Kollegen eine Anthologie mit satirischen Sachen. Und mit den drei Kollegen plus einer anderen schreiben wir gerade Hamlet um.

Wir holen den Hamlet ins Ruhrgebiet und da wird ein Projekt daraus, das wir nächstes Jahr auch auf die Bühne bringen. Dafür lass ich mir übrigens auch gerade die Haare wachsen.

 

Feathergames: Du spielst also selbst auch mit?

 

Claudia Kociucki: Klar. Meine Haare werden ein wenig gothicmässig sein, ich muss mir die also schwarz färben. Schauen wir mal, was daraus wird. Wir haben fünf Rollen verteilt und die tragen wir als eine szenische Lesung vor.

 

Feathergames: Was hast du für Tipps für Jungautoren, die das erste Mal eine Kurzgeschichte bei einer Ausschreibung einreichen?

 

Claudia Kociucki: Dass sie auf alle Fälle die Sachen von anderen Autoren gegenlesen lassen, nicht nur von Mutti und Freundin, die dann meistens sehr wohlwollend sind.  Man sollte die Sachen auch erstmal von der Dudenkorrektur und danach von der Füllwortkorrektur checken lassen. Das hab ich als Tipp gelernt und ich wusste erst gar nicht, was das ist. Durch die Füllwortkorrektur habe ich die Geschichten nach einem halben Jahr durchgejagt und musste ganz viele Wörter streichen. Durch so etwas lerne ich ganz viel. Man sollte sich handwerklich weiterbilden, ob das jetzt ein Schreibseminar oder ein Buch lesen ist, je nachdem.

 

Feathergames: Hast du zum Schluss noch irgendwas zu sagen?

 

Claudia Kociucki: (Ein bedeutungsschwangeres Wort... mach mal aus, muss nachdenken.) Ich schreib gerade eine Anthologie über Portugal. Es geht um eine Art literarischer Reiseführer über die Orte, an denen ich am liebsten bin.

 

Feathergames: Dann bedanken wir uns ganz herzlich für das Interview.

 

Claudia Kociucki: Vielen Dank!

 

 

 

Mehr zu Claudia Kociucki erfahrt ihr auf ihrer Homepage. Schaut doch mal rein!

 

Claudia Kociucki beim Tastenwechsel
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Claudia Kociucki und Julie Fritsche vor dem Interview
Claudia Kociucki und Julie Fritsche vor dem Interview