Interview mit Jeanine Krock - Janika (April 2012)

 

 

Feathergames: Wie kamst Du zum Schreiben? Wie viele Anläufe hast Du gebraucht, bevor Dein erster veröffentlichter Roman entstand, sowohl schreibtechnisch als auch in Sachen Verlags-Bewerbungen?

 

Jeanine Krock: Ich habe natürlich wie jeder Schriftsteller immer gern gelesen. Mein erstes Buch war dann die Folge eines Sportunfalls. Ich musste so lange zu Hause sitzen, dass mir die Lektüre ausging. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, also habe ich mir selbst eine Geschichte geschrieben.

Und weil ich so viel Zeit hatte, konnte ich sie auch immer wieder überarbeiten, ändern, verbessern und mich in die Figuren verlieben. Das ist ganz wichtig, finde ich. Man muss die Leute mögen, mit denen man viele Monate seines Lebens verbringt. Auch die dunklen Charaktere.

Aber zurück zur Buchwerdung. Das fertige Manuskript kam recht bald in die Schublade und erblickte nur deshalb wieder das Licht der Welt, weil ich Jahre später leichtsinnigerweise einem sehr netten Verleger (Ubooks Verlag) davon erzählte. Er sagte „Zeig mal her.“ - und so fing alles an.

Heute bin ich davon überzeugt, es wäre nie etwas draus geworden, hätte ich schon immer Schriftstellerin werden wollen. Bei mir funktioniert so etwas nicht.

 

Feathergames: Woher nimmst Du im alltäglichen Leben die Inspiration für so viele Bücher?

 

Jeanine Krock: Von genau dort. Im täglichen Leben bekommt man die besten Ideen. Obwohl, genau genommen sind es die Ideen, die mich finden. Ich glaube sogar, wenn man anfängt, zu suchen, hat man schon verloren. Meist habe ich das eine Buch noch nicht beendet, da kommen sie schon angeflattert, die meisten notiere ich auf Zetteln oder in einem speziellen Buch, bis es dann soweit ist, dass ich sie freilassen kann. Ein gutes Gefühl.

 

Feathergames:  Man kann ja nicht immer nur gute Laune haben - wie wirkt es sich auf Dein Schreiben aus, wenn Du wütend, traurig oder enttäuscht bist? Schreibst Du in solchen Momenten überhaupt?

 

Jeanine Krock: Das Schreiben ist ein Beruf und nur weil man schlechte Laune hat, kann man nicht einfach „blau“ machen. Wenn ich traurig bin, hilft mir das Schreiben sogar häufig, die innere Balance wiederzufinden. Wie viele Autoren neige auch ich dazu, selbst mit Halsschmerzen und Tropfnase an die Tastatur zu schleichen, wenn es mir niemand verbietet.

Manchmal bekomme ich dabei die besten Einfälle. Vielleicht liegt es am Fieber, und zu empfehlen ist es auch nicht, weil so etwas auf die Dauer krank macht.

 

Feathergames: Unter welchen Umständen schreibst Du am liebsten?

 

Jeanine Krock: Da gibt es schon ein paar Vorlieben. Einige Kollegen schreiben gern im Café, bei mir läuft es erstaunlicherweise sehr gut auf längeren Zugfahrten. Es wäre aber auf die Dauer zu teuer, wenn ich zum Schreiben immer kreuz und quer durch Europa reisen würde, und deshalb sitze ich meistens ganz klassisch am Schreibtisch. Davon habe ich zwei. Einer mit Blick in den Garten und zwei Hunden in Reichweite, der andere in einem kleinen Büroraum, ganz ohne Ablenkung.

Und dann bin ich auch noch eine Jahreszeitenschreiberin. Das heißt, ich arbeite im Sommer vorwiegend in den frühen Morgenstunden und dann abends noch einmal. Im Winter dagegen finde ich morgens schwer aus dem Bett und verlege die Arbeitszeit gern in die Abend- und Nachtstunden.

 

Feathergames: Was hältst Du als Verlags-Autorin von Schreiberlingen, die im Selbstverlag veröffentlichen? Ich rede selbstverständlich von denen, die auch mit ihrem Herzblut dabei sind. Was denkst du, wie konkurrenzfähig ihre Werke im Vergleich zu Verlags-Büchern sind?

 

Jeanine Krock: Ein sehr erfolgreicher Schriftsteller hat mir einmal gesagt, zum Schreiben brauche es kein Herzblut, sondern Tinte, Handwerk und Disziplin. Außerdem, fand er, schadeten eine Prise Talent und Lebenserfahrung auch nicht. Ich finde aber, ohne Leidenschaft geht es auch nicht.

Im Selbstverlag herausgegebene Bücher haben es schwer, überhaupt von den Lesern wahrgenommen zu werden. Oft fehlen obendrein professionelles Lektorat und Korrektorat, eigentlich immer eine breite Vertriebsbasis und eben ein renommierter Verlag (der muss nicht groß sein, nur eben gut), der mit seinem Namen für dieses Buch steht.

Dass Schriftsteller mit ihrer Arbeit Geld verdienen und nicht dafür bezahlen, um veröffentlicht zu werden, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben.

 

Feathergames: Was tust Du gern in deiner Freizeit, was liest Du selbst gern?

 

Jeanine Krock: Freizeit ist so eine Sache. Da sind die Grenzen fließend. Natürlich lese ich nach wie vor total gern. Da ich privat zur Zeit so viel mit Engeln und anderen magischen Wesen zu tun habe, liegen vor allem Bücher auf meinem Sub, die nichts oder wenig mit Fantasy zu tun haben. Außerdem recherchiere ich für meine Romane möglichst gründlich und so besitze ich auch eine ständig wachsende Sammlung an Fachliteratur. Ansonsten, ich habe es schon erwähnt, wohnen unter anderem zwei Hunde unter unserem Dach, die halten mich auf Trab. Außerdem reise ich gern, oder sitze einfach nur da und sehe übers Meer oder so. Das kann ich übrigens jedem sehr empfehlen ...

 

Feathergames:  Hast du noch eine Nachricht an die Feathergames-Leser?

 

Jeanine Krock: Ach, ich hoffe, Euch gut unterhalten zu haben und vielleicht habt Ihr jetzt ja auch Lust auf meine Geschichten bekommen. Beides würde mich sehr freuen.

 

Danke für das tolle Interview!

 

Feathergames: Ich habe zu danken, es hat Spaß gemacht!