Interview mit Blanca Imboden - Yanny (April 2012)

 

 

Feathergames: Du schreibst Deine Bücher ja über Kenia und hast inzwischen sogar drei Bücher bei Piper veröffentlicht. Wie bist Du darauf gekommen, gerade über dieses Land zu schreiben?

 

Blanca Imboden: Kenia ist immer nur ein Teil meiner Geschichten. Ich schreibe auch über den Kampf mit dem Übergewicht und über alle möglichen Frauenthemen.
Aber ja, Kenia ist meine zweite Heimat. Ich bin da per Zufall mal hingekommen, auf der Suche nach Wärme im Winter. Das Land weckte mein Interesse und je mehr ich von den Touristenpfaden wegging, desto mehr verlor ich mein Herz an Land und Leute.

 

Feathergames: Woher nimmst Du die Inspiration zum Schreiben?

 

Blanca Imboden: Aus dem Alltag, aus all den täglichen Begebenheiten, Sorgen, Nöten. Aus meinen Reisen und Wanderungen.
Im Geiste machte ich ständig Notizen, egal was auch passiert.

 

Feathergames: Wann und wo schreibst Du am liebsten? Hörst Du während des Schreibens Musik?

 

Blanca Imboden: Schreiben tue ich am liebsten zu Hause in meinem Büro. Der Schreibtisch steht am Fenster. Ich bin umgeben von vielen Topfpflanzen und Afrika-Souvenirs. Der Schreibtisch ist meist zugemüllt mit Papier. Musik höre ich selten.

 

Feathergames: Was hält Deine Familie vom Schreiben?
Gibt es jemanden, mit dem Du Dich zu Deinen Büchern austauscht und der Dir bei Problemen hilft?

 

Blanca Imboden: Meine Familie unterstützt mich. Aber es gab auch schon Zeiten, wo man gesagt hat: "Warum machst du das eigentlich noch?" Das war, bevor ich zu PIPER kam.
Es ist schwierig, Menschen zu finden, die den Schreibprozess nahe begleiten, mitlesen, fordern, kritisieren. Am Ende ist man als Schreibende doch sehr alleine. Aber ich hatte des Glück, immer Menschen zu haben, die an mich geglaubt haben, mehr als ich selber.

 

Feathergames: Würdest du unseren Lesern ein wenig von deinen bisherigen Büchern erzählen?

 

Blanca Imboden: Die ersten beiden erschienen '97 und '99 bei einem winzigen Verlag. Diese Bücher sind nur noch bei mir erhältlich. Sie sind ein wenig verjährt. Ich würde sie gerne noch einmal neu schreiben.
Dann habe ich bei BoD 2005 Allein in Afrika herausgebracht. Das war mein erster Keniaroman. Meine ganze Liebe zu Kenia steckt in jeder Zeile. Ich habe auch wirklich dafür recherchiert.
Mein grösster Erfolg war Die Kalorien-Königin, die sich bei PIPER 2009 schnell über 10.000 mal verkaufte; ein Buch über eine Frau, die für eine Frauenzeitschrift Kolumnen über ihre Abnehmversuche schreibt.

Darauf bekam ich von PIPER den Auftrag, Die Pralinen-Prinzessin (2011) zu schreiben; ein Buch über eine Frau, die abgenommen hat und nun erkennen muss, dass sich mit ihrer ersehnten schlanken Figur nicht automatisch auch alle ihre Lebensträume erfüllen - im Gegenteil.
Das Buch Ein kenianischer Sommer ist auch 2011 erschienen, aber ich hatte es bereits davor geschrieben. Eine Frau kommt von Kenia heim in die kalte Schweiz, nachdem sie dort alles verloren hat: Ihre Existenz und ihre Liebe. Das Buch fängt traurig an, ist aber leichte Unterhaltung.

Jetzt schreibe ich an einem Buch, das in der Schweiz spielen wird. Ein Buch über eine Wandergruppe. Kein Heimatroman, aber meine neu gefundene Liebe zu den Bergen wird darin zum Ausdruck kommen.

 

Feathergames: Das hört sich sehr interessant an.

Möchtest Du unseren Lesern zum Abschluss noch irgendetwas sagen?

 

Blanca Imboden: Wenn ich darf?
Das Geheimnis ist: Nicht aufgeben.
Ich habe auch sehr, sehr lange einen richtigen Verlag gesucht. Und ich habe gefühlte tausend Absagen verkraften müssen. Das gleiche Buch findet der eine grossartig und der andere lehnt es ab.

Und dann möchte ich gerne mit dem Irrglauben aufräumen, dass man keine Chance bei einem Grossverlag hat, wenn man vorher bei BoD oder im Selbstverlag publiziert hat. Das wird immer und immer wieder vorgebetet. Und warum sollte das so sein? Wenn ein Verlag an einer Geschichte interessiert ist, kümmert sie sich gar nicht darum, was früher war. Ich denke, es wird manch einem Verleger eher gefallen, dass man früher schon geschrieben hat.

Wahrscheinlich sollte man sowieso zwar immer mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gehen, aber seinen eigenen Weg gehen. Offen für Ratschläge zu sein heisst nicht, jeden unbesehen zu akzeptieren.

Ganz liebe Grüsse
Blanca
www.blancaimboden.ch

 

Feathergames: Danke vielmals für das Interview!