Interview mit Anke Höhl-Kayser - Kazu (März 2012)

Feathergames:  Hallo Anke, ich freue mich, Dich interviewen zu dürfen.

Gab es ein ausschlagebendes Ereignis, das Dich dazu verleitet hat, mit dem Schreiben zu beginnen, oder hast Du aus einer einfachen Laune und der Liebe zum geschriebenen Wort angefangen?

  

Anke Höhl-Kayser: Als Kind gab es für mich nichts Schöneres als Bücher. Die dort erschaffenen Welten haben mich in sich aufgesogen, ich konnte ganz darin aufgehen, so sehr, dass ich nicht einmal wahrnahm, wenn mich jemand ansprach - sehr zum Leidwesen meiner Eltern und meiner Freunde ("Sie liest schon wieder!"). Irgendwann kam der Moment, wo ich merkte: Ich kann das selber auch, ich kann eigene Welten erschaffen, in denen ich noch besser versinken kann. Also fing ich an zu schreiben, und weil das Schreiben mit der Hand so langsam ging, habe ich meinem Opa die Schreibmaschine 'geklaut' und darauf tippen geübt. Das ging dann bald sehr viel schneller. Und schon war ich in meinem ganz persönlichen Traumland ... Und damit habe ich dann nicht mehr aufgehört. Es hat zwar lange bis zu meiner ersten Veröffentlichung gedauert, aber ich wusste immer, dass ich mir diesen Traum irgendwann einmal erfüllen würde. *grins*

 

Feathergames: Worum geht es Dir bei diesem Hobby? Um die Marge beim Verkauf, um die reine Freude und den Spaß beim Schreiben selbst oder um die glücklichen Leser Deiner Werke?

 

Anke Höhl-Kayser: Schreiben ist ein mächtig kreativer Prozess. Er hat bei mir immer etwas mit dem Wort 'frei' zutun: Freisetzen von (unglaublichen) Energien, Befreiung von aufgestautem Druck, Freimachen von negativen Erinnerungen, Freilegen von philosophischen Ansätzen und Wahrheiten.
Aber noch wichtiger als meine persönliche Katharsis sind mir die Leser, denen ich ermöglichen möchte, mit mir in meine Geschichten einzutauchen und sich dort zuhause zu fühlen.

Feathergames:
Was vermutlich viele Neuschreiber interessiert: Was in dieser Welt inspiriert Dich dazu, Werke wie Ronar zu schreiben? Musik, ein besonderer Ort, eine bestimmte Person, oder ein spezielles Wetter?

 

Anke Höhl-Kayser: Musik, Jahreszeiten, Naturschönheit und Personen wirken sehr inspirierend auf mich, eine starke emotionale Reaktion vorausgesetzt.
Ronar ist zusätzlich teilweise eine Aufarbeitung meiner Vergangenheit.
Meine Kinder nehmen im Moment einen deutlichen Einfluss auf meinen Schreibprozess, weil sie mit ganz konkreten Wünschen für "das nächste Buch" an mich herantreten. Ich bin gerade dabei, den dritten dieser Wünsche zu erfüllen, und es ist kein Ende abzusehen. (zwinkert)

 

Feathergames: Hast Du gerne in der Schule etc. von Deinem Hobby erzählt, oder es hinter vorgehaltener Hand zu den Engsten geflüstert?

Anke Höhl-Kayser: Ich hatte die Stellung der "Klassenschriftstellerin" inne. Meine Deutschaufsätze wurden regelmäßig vorgelesen, und ich bekam von meinen Mitschülerinnen (wir waren eine reine Mädchenklasse) "Aufträge" für Geschichten. Das habe ich unheimlich toll gefunden. Leider fand das ein Ende, als sich in Jahrgangsstufe 11 der Klassenverband auflöste.

Feathergames: Wann hast Du zum ersten Mal ein Buch von Deinem Idol Franz Werfel gelesen?


Anke Höhl-Kayser: In der Jahrgangsstufe 13, kurz vor dem Abi. Ich hatte Deutsch-Leistungskurs und sollte im Rahmen einer Studienfahrt nach Prag ein Referat über Franz Werfel schreiben. Meine Eltern hatten sehr viele seiner Bücher im Schrank stehen, da habe ich mit dem Buch Die 40 Tage des Musa Dagh angefangen und war einfach begeistert. Innerhalb kürzester Zeit habe ich mich dann durch all seine Werke gelesen.

Feathergames:
Was an Deinem Idol fasziniert Dich? Sein Stil, seine Geschichten?


Anke Höhl-Kayser: Beides. Werfel hat ja immer historische Themen für seine Bücher bearbeitet, zum Beispiel im Lied von Bernadette die reale Person der Bernadette Soubirous, die in Lourdes Visionen der Jungfrau Maria hatte und dabei die heilkräftige Quelle entdeckte, die aus Lourdes den heutigen Wallfahrtsort machte.
Zum einen ist das eine wirklich spannende Geschichte, auch für Leser, die mit Religion vielleicht nicht so viel am Hut haben.
Zum anderen ist Franz Werfels Stil einfach nur wunderschön - warmherzig, voller Aphorismen und Weisheiten, mit enormer Bildkraft, und kunstvoll, ohne gekünstelt zu wirken.


Feathergames:
Ist es Dir auch schon einmal passiert, dass Du unbewusst den Stil eines Autors übernommen hast?


Anke Höhl-Kayser: Das passiert mir ganz leicht, wenn ich mich in ein Buch vertiefe und mich anschließend an meine eigene Arbeit setze.
Als Schülerin habe ich das sogar mit Absicht gemacht, wenn mir die Schreibe eines Autors besonders gefiel. Dann habe ich mich hingesetzt und "im Stil von..." geschrieben. Ich glaube heute, dass das eine sehr gute Übung ist.

Feathergames:
Möchtest Du uns und unseren Lesern eröffnen, woran Du momentan arbeitest?

 

Anke Höhl-Kayser: Für meine Kinder arbeite ich an einem Manuskript, das ihnen (und mir) den plötzlichen Tod unseres Familienhundes erleichtern und überwinden helfen soll. Und ich wünsche mir natürlich, dass bald auch andere Leser daran Freude haben und sich durch die Aussage der Geschichte getröstet fühlen.

Feathergames:
Kannst Du den Schreiberlingen unter unseren Lesern irgendwelche Tipps geben, wenn sich mal wieder eine Schreibblockade eingeschlichen hat?

 

Anke Höhl-Kayser: Ich glaube, so etwas wie eine Schreibblockade gibt es nicht. Wenn es nicht weitergeht, hat man an irgendeiner Stelle einen Knoten im Text produziert (ohne dass man sich dessen bewusst ist), der gelöst werden will.
Manchmal hilft dann wirklich: das Manuskript einfach mal beiseitelegen und es ein paar Tage ruhen lassen. Im Unterbewusstsein wirkt es weiter, und ich erlebe es selber immer wieder, dass dann der Knoten von ganz allein platzt. Ansonsten finde ich hilfreich: wenn es nicht weitergeht, zum Textanfang zurückgehen, das Ganze nochmal aus Lesersicht von vorn betrachten.

  

Feathergames: Vielen Dank für das Interview!

 


 Anke Höhl-Kayser: Ich hoffe, ich habe die Fragen in Deinem Sinne beantwortet, mir hat es jedenfalls sehr viel Spaß gemacht!