Interview mit Eduard Freundlinger - Julie (Mai 2012)

 

 

Feathergames: Du wurdest 1970 geboren. Wie lange hat es gedauert, bis du dir sicher warst und dein erstes Manuskript bei einem Verlag eingeschickt hast?

 

Eduard Freundlinger:Ich schrieb schon im Alter von 20 und 30 Jahren, aber immer nur halbherzig und fühlte mich dazu auch noch nicht reif genug. Es kam also nichts dabei heraus. Ernsthaft begann ich erst 2007- neben der Arbeit in meiner Immobilienfirma - an Pata Negra zu schreiben und 2009 war ich damit fertig. Danach dauerte es eine frustrierend lange Zeit, ehe mein Roman im März 2011 in einem kleineren Münchner Verlag erschienen ist. Wenige Monate später schon, war Pata Negra dort von bisher 700 verlegten Büchern, das meistverkaufte der Verlagsgeschichte.

Der Durchbruch kam dann aber erst mit dem Wechsel zum renommierten Piper-Verlag.

 

Feathergames: Ihr Roman „Pata Negra“ teilst du selber der Sparte „Thriller“ zu. Wie kamst du zu diesem Genre? Was zieht dich daran an?

 

Eduard Freundlinger: Grundsätzlich schreibe ich meine Bücher nicht, damit sie hinterher perfekt in eine Schublade passen. Auf dem Cover von Pata Negra steht zwar »Kriminalroman« drauf, aber die Ermittlungsarbeit steht doch sehr im Hintergrund – ja am Ende wird der Fall seitens der spanischen Polizei nicht einmal aufgelöst! Und für einen knallharten Thriller ist Pata Negra wohl zu unblutig. Insofern handelt es sich um einen Roman, der sich etwas abseits der ausgetrampelten Krimi- und Thrillerpfade bewegt – so gibt es zwar eine spannende Mordserie ... aber keinen dafür verantwortlichen Serienmörder, wie in den meisten aktuellen Krimis.

Ich schreibe Spannungsliteratur, weil dieses Genre nun mal die gröβte Zielgruppe hat und es viel einfacher ist, einen Krimi in der Gegenwart zu schreiben, als z.B einen Historienroman, bei dem man erstmal monatelang recherchieren muss. Zudem kann man mit einem wirklich spannenden und ungewöhnlichen Krimi am einfachsten aus der Vielzahl an Büchern am Markt herausstechen.

 

Feathergames: Was ist deine Inspiration beim Schreiben? Was hilft dir bei einer Blockade?

 

Eduard Freundlinger: Sobald ich mich hinsetze und mich auf das Manuskript konzentriere ist auch die Inspiration da – mal stärker, indem ich selbst mit einem flinken 10-Finger-System meinen Gedanken nicht folgen kann, und mal schwächer, wenn es schon mal zwei, drei Minuten dauert, ehe mir der nächste Satz einfällt – und das ist für meine Begriffe schon eine »Schreibblockade«.

Ich sehe die Schreiberei eher wie ein Handwerk und deswegen ist eine Schreiblockade für mich gleichbedeutend mit Faulheit. Ein Fliesenleger kann ja auch nicht zuhause bleiben, nur weil er sich Montags nicht inspiriert genug für seine Arbeit fühlt.

 

Feathergames: Du hast bestimmt auch von deinem Verlag aus eine/n Lektor/in. Unterstützt nur dieser dich oder bekommst du auch Hilfe von deinem sozialen Umfeld? Was halten deine Freunde und Familie davon?

 

Eduard Freundlinger: Meine Lektorin greift erst in den Text ein, wenn das Manuskript von meiner Seite aus komplett fertiggestellt wurde. Schreiben ist ein einsamer Job – und meine Familie und meine Freunde helfen mir dabei, indem sie die Zeit respektieren, die ich für das Schreiben aufwende – denn die geht zu Lasten von ihnen.

 

Feathergames: Du wolltest einmal um die Welt segeln. Wie kamst du auf diese Idee? Wie hat es sich angefühlt, nur mit einem Freund unterwegs zu sein?

 

Eduard Freundlinger: Das war genauso wie das Schreiben von Büchern ein Jugendtraum von mir. Beim ersten Anlauf war ich mit 23 Jahren noch zu jung und habe es nicht mal bis zur Hälfte geschafft – jedoch nach einer Atlantiküberquerung vier abenteuerreiche Jahre auf einem Segelschiff in der Karibik verbracht. Das war natürlich eine tolle Zeit. Wenn alles nach Plan läuft, gibt es 2014 einen neuen Anlauf. Vielleicht folgt darauf ja ein Roman à la Ich bin dann mal weg – der erschien ja auch im Piper-Verlag.

 

Feathergames: Die Ankündigung für deinen neuen Roman steht, Leseproben sind veröffentlicht. Verrätst du uns, wann er erscheinen wird?

 

Eduard Freundlinger: Die Arbeit an meinem 2. Roman ist so gut wie abgeschlossen, da allerdings der Erste im Januar 2013 von Piper nochmals als Taschenbuch aufgelegt wird, folgt mein 2. Roman aus verlagstaktischen Gründen erst sechs Monate später im Sommer 2013.

 

Feathergames: Hast du ein bestimmtes Lieblingsbuch oder einen Lieblingsautor?

 

Eduard Freundlinger: Habe ich eigentlich nicht. Ich lese privat aber eher Gegenwartsliteratur, anstatt Krimis - weil mich Sprache und Stil mehr fesseln, als Mord & Totschlag. Pascal Mercier und Jonathan Franzen oder auch Carlos Ruiz Zafón und meine Ösi-Kollegen Wolf Haas und Daniel Glattauer finde ich ganz gut.

 

Feathergames: Was kannst du angehenden Autoren empfehlen? Hast du Tipps, wie man sich am besten auch immer wieder motivieren könnte?

 

Eduard Freundlinger: Angehenden Autoren kann ich nur empfehlen, vor Beginn der Arbeit das »Handwerk« zu erlernen. Das geht am besten mit Schreibratgebern. Sol Stein, Lajos Egri und auch James Frey sind da sehr zu empfehlen.

Meine Motivation war immer, etwas Unvergängliches zu erschaffen, etwas »Groβes« – etwas, worauf ich mein Leben lang stolz sein kann. Das gelang mir bei meinen bisherigen Jobs nicht, obwohl ich damit mehr Geld verdiente, als bisher durch das Schreiben. Erfolgreich ein Buch zu verlegen ist schon etwas besonderes, der finanzielle Aspekt sollte jedoch nicht der Ansporn von angehenden Autoren sein – ansonsten wird man fast zwangsläufig enttäuscht werden.

 

Feathergames: Hast du abschließend noch eine Nachricht an unsere Fans?

Eduard Freundlinger: Setzt euch hohe Ziele und lasst euch durch nichts und niemanden davon abbringen!

Gebt niemals auf!