Interview mit Gerrit Fischer - Jonas (Februar 2012)

Gerrit Fischer
Gerrit Fischer

 

 

Feathergames: Was inspiriert dich beim Schreiben?

 

Gerrit Fischer: Am liebsten lasse ich mich von Musik inspirieren. Damit kann ich mich in die jeweiligen Stimmungen versetzen, in denen mein Roman gerade spielt. Oft verbindet man mit Musikstücken ja bestimmte Lebensereignisse. Das kann man beim Schreiben dann ganz gut ausnutzen. Außerdem bin ich keiner, der nur zuhause am Schreibtisch sitzt und schreibt. Ich liebe es in Cafes zu schreiben, wo um einen herum das Leben tobt. Oder in Parks, in der Bahn oder überall, wo ich auf das Wsser schauen kann. Das Meer ist für mich immer ein Ort der Inspiration.

 

Feathergames: Du sagst, Musik inspiriert dich. Hast du ein favorisiertes Genre, das du wann immer möglich hörst?

 

Gerrit Fischer: Nein. Das kommt ganz darauf an. Oft sind es alte Stücke aus meiner Jugendzeit. Aber gerade in letzter Zeit gibt es ja viele Bands, die deutsch singen und gute Musik machen. Wenn ich einfach so Musik laufen lasse, dann meist italienische Songs. Radio Italia spielt rein italienische Musik, zwischendurch wird italienisch gesprochen, das sorgt dann für die richtige Atmosphäre. Meine beiden Romane spielen hauptsächlich in Italien.

 

Feathergames: Kam der Gefallen an Italienischem, als du in Italien warst oder eher umgekehrt?

 

Gerrit Fischer: Meine Eltern fuhren regelmäßig nach Italien in den Sommerurlaub. Ich war mit zwei Jahren das erste Mal dort. Insofern kam meine Sympathie zu italienischer Musik wahrscheinlich eher durch die Liebe zum Land. Aber es ist eine toll klingende Sprache, vielleicht würde ich es auch mögen, wenn ich nicht so oft in Italien wäre.

 

Feathergames: Hattest du auch deine Idee zum ersten Roman dort oder gar schon dort damit angefangen?

 

Gerrit Fischer: Ich war früher mit meinen Freunden oft mit der Bahn in Italien unterwegs. Wir haben da natürlich so einiges erlebt. Tagsüber schauten wir uns die Städte an, nachts reisten wir in den Nachtzügen weiter. In den Neunzigern war die Gegend um Rimini und Riccione eine der Hochburgen in Sachen Diskotheken. Also haben wir dort immer ein, zwei Wochen Badeurlaub und Nightlife drangehängt. An die Zeit habe ich immer gerne zurück gedacht und hatte dann die Idee, einen Roman zu schreiben. Die Geschichte ist eine Mischung aus selbst Erlebtem und Ausgedachtem geworden. Aber ich glaube, die Atmosphäre dieser Reisen damals kommt im Roman recht gut rüber. Der Adria-Express entstand komplett in Deutschland. Für meinen neuen Roman war ich zum Schreiben aber teilweise tatsächlich direkt in Italien. Im Juni und September habe ich zum Teil recherchiert, geschrieben, aber natürlich auch Urlaub gemacht.

 

Feathergames: Wie standen oder stehen deine Freunde dazu, dass du dich als Autor beschäftigst? Gerade im Urlaub gehen manche ja davon aus, dass man Papier und Stift mal beiseite legt.

 

Gerrit Fischer: Damals mit meinen Freunden habe ich ja noch nicht geschrieben. Da konnten wir uns also immer auf das Wesentliche konzentrieren  Und heute ist es so, dass ich die Zeit zum Schreiben nutze, die ich sonst vielleicht zum Lesen genutzt hätte. Aber es bleibt noch genug Zeit für richtigen Urlaub übrig. Im Urlaub ist es oft so, dass ich mir nur kurz Notizen oder Sprachaufzeichnungen mache. Richtig intensives Schreiben ist eher die Ausnahme.

 

Feathergames: "Opferst" du deine gesamte Lesezeit dem Schreiben oder nimmst du auch noch mal ein Buch in die Hand, das nicht deines ist?

 

Gerrit Fischer: Ich lese nach wie vor viel und gerne. Gerade in der Korrektur- und Vermarktungsphase schreibe ich selbst ja so gut wie gar nicht. Da kümmere ich mich um die Überarbeitung, um die Homepage, um die Werbung und da ist das Lesen eine willkommene Abwechslung. Und auch während der Schreibphase lasse ich mein Manuskript öfter mal ruhen. Ab und zu tut ein bisschen Abstand gut. Dann geht man wieder frisch und mit neuen Ideen an die Arbeit. Und dann lese ich sehr gerne ein fremdes Buch. Seit ich Autor bin, ist das aber ein Problem. Ich habe so viele interessante Autoren kennengelernt, deren Werke ich spannend finde, dass ich viel zu viel Lesestoff habe. Da weiß ich manchmal gar nicht, wo ich anfangen soll.

 

Feathergames: Während du an deinem eigentlichen Projekt arbeitest, kommt es auch mal vor, dass dir eine Idee in den Kopf schießt und du diese als "Spin-Off-Kurzgeschichte" oder Ähnliches aufschreibst?

 

Gerrit Fischer: Ja, das kommt vor. Ich habe zum Beispiel einen Beitrag für das Michael-Jackson-Fanbuch "King of Hope" von Martina Kainz beigesteuert. Ich sammele alles, was mir so einfällt, aber nicht in die aktuelle Story passt, in einem Dokument und schaue dann, was ich daraus für spätere Romane noch verwenden kann.

 

Feathergames: Du hast ja bei Books on Demand veröffentlich, also sozusagen in Eigenregie; war das deine Erstwahl oder hast du dich erst nach Verlagsabsagen dafür entschieden?

 

Gerrit Fischer: Ja, das war tatsächlich meine erste Wahl. Ich habe mir das ganze Herumschicken von Manuskripten gespart und bei meinem Debütroman fand ich es auch spannend, von A bis Z selbst für das Buch verantwortlich zu sein. Also das Layout alleine zu gestalten, das Cover selbst zu entwerfen und den Text selbständig bis zum Ende in Eigenregie zu schreiben. Ich bin zufrieden und werde auch mein zweites Buch bei BOD veröffentlichen.

 

Feathergames: Keinen Verlag zu haben heißt doch auch, keinen Lektor zu haben. Außer, natürlich, man besorgt sich gesondert eben solchen. Spannst du dir dann Freunde und Familie als Betaleser ein?

 

Gerrit Fischer: Das stimmt. Es ist eine große Herausforderung trotzdem ein fast fehlerfreies Werk abzuliefern. Ganz alleine bekommt man das kaum hin. Meine Freundin ist eine erstaunlich gute und harte Lektorin. Es ist unglaublich, was sie alles findet und wie viele Veränderungsvorschläge sie hat. Ich gebe ihr ein schwarz-weißes Manuskript und bekomme ein buntes wieder. Wenn es durch ihre Hände gegangen ist, dann merke ich den Qualitätssprung. Und dann geht die überarbeitete Fassung noch einmal an weitere vier bis fünf Testleser. Zwischendurch arbeite ich das Manuskript natürlich auch mehrfach durch, lasse es über den Dudenkorrektor laufen, lese es rückwärts usw. Das ist ein ziemlich aufwändiges Verfahren, aber mir ist wichtig, dass man mich nicht in die Schublade von Autoren steckt, die qualitativ unsauber arbeiten. Ich glaube, dass sich der Adria-Express nicht vor Verlagsromanen verstecken muss. Mit viel Fleiß und den richtigen Leuten um einen herum kann man das schaffen.

 

Feathergames: Würdest du letztendlich sagen, alles selbst zu machen ist ein Vor- oder Nachteil gegenüber Verlagsautoren?

 

Gerrit Fischer: Natürlich hätte ich nichts dagegen, auch einmal von einem Verlag unterstützt zu werden. Das wäre ja schon eine gewisse Auszeichnung. Aber für den Anfang fand ich es ganz hilf- und lehrreich, das ganze Programm rund um das Entstehen eines Buches kennenzulernen. Ich würde mich freuen, wenn es mal bei einem Verlag klappt. Vielleicht sind die Chancen eines Tages besser, wenn ich schon etwas vorzuweisen habe. Jetzt kam das Kümmern um einen Verlag noch nicht in Frage. Ich bin so ungeduldig, dass mein Roman in den Handel kommt, da gehe ich den bewährten Weg. Ich bin sehr realistisch. Mit oder ohne Verlag, ich werde vom Schreiben nicht reich werden. Insofern spielt es für meine Zufriedenheit keine Rolle, wie ich veröffentliche. Hauptsache, die Leser sind zufrieden und werden gut unterhalten.

 

Feathergames: Das ist ein sehr gutes Ziel. Wir sind fast durch. Hättest du abschließend noch eine Nachricht an unsere Fans?

 

Gerrit Fischer: Ja, ich habe eine Bitte an die Leser. Gerade wir Autoren, hinter denen kein Verlag steht, sind auf die Rückmeldung der Leser angewiesen. Die meisten Autoren verdienen so gut wie nichts mit dem Schreiben. Was uns motiviert und freut, sind die Feedbacks der Leser. Also schreibt ehrliche Rezensionen, teilt den anderen mit, wie ihr das jeweilige Buch gefunden habt. Über die Webseiten der Autoren findet man auch immer eine Kontaktmöglichkeit. Die meisten von uns freuen sich über den Austausch mit Lesern und auch über konstruktive Kritik. Das bringt uns weiter. Danke an alle, die Lesermeinungen über unsere Bücher veröffentlichen.

 

Feathergames: Danke, Gerrit, für das Interview. Wir alle wünschen dir viel Erfolg mit deinen künftigen Projekten und, wenn du willst, auch mit den Verlagen. Weiterhin viel Spaß beim Schreiben!

 

Gerrit Fischer: Vielen Dank auch dir für das nette Interview. Ciao.

 

 

 

Mehr Infos zu Gerrit Fischer und seinen Büchern gibt's auf www.gerritfischer.de !

 

 

 

Adria-Express von Gerrit Fischer
Adria-Express von Gerrit Fischer